Comfort found in detail

Drei Freunde, zwei Städte, eine Frage

Jennifer zurücklassen

Eine Leere tat sich auf als er neben Jennifer zum Eingang des Festivals ging. Die letzten Stunden hatte er mit Diskussionen über Grundeinkommen, den Schrecken des Kapitalismus und sonstigem Grauen des postmodernen Lebens verbracht.

Diese Themen, diese Position hatten in ihm langsam eine Wut wachsen lassen. Nicht gegen den Kapitalismus, nicht gegen den Konsum und die Mietpreise sondern gegen Jennifer. Hatte sie doch all diese Themen in seine Richtung geworfen um dann ihre Gutmenschen-Position darzulegen. Zuerst fand er es noch irgendwie anregend, sie da, da war eine Person dies ich wirklich mit den großen Fragen der Gesellschaft beschäftigte. Doch bald wurde ihm klar dass hinter diesen Wertung, hinter dieser Ablehnung eine tiefe Verunsicherung stand, die zu einem Flucht in die Rolle des Kritikers geführt hatte.
Denn Jennifer war weder bereit politisch aktiv zu werden noch als Aktivist in Erscheinung zu treten. Sie zog ihre Energie rein aus dem kritisieren der Gesellschaft und ihres Gegenübers. So ermöglichte sie Ben nicht zu erfahren, was wirklich in ihr vor ging und wie sie sich nach der Trennung von Martin fühlte. Diese Verbitterung, welche in wunderschöne Rhetorik verpackt war, hatte ihn neben ihr immer mehr erkalten lassen.
Bereits jetzt wünschte er sich nur noch auf den morgigen Tag nach ihrer Abreise wo er den Einzug des normalen, leichten Lebens erhoffte. Doch die Stunden zogen sich noch. Schließlich erreichten sie den Eingang des Festivals. Ben drehte sich um hatte Jennifer verloren. Es war nicht das erste mal an diesen Tag.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Jennifer zurücklassen