Am Strand

Ben war jetzt drei Tage hier. Und bereits jetzt träumte er von New York und dem Nachhause Fahren um das große Projekt anzugehen. Hier gab es nur Sonne, den Strand und halbnackte Frauen. Natürlich war es schön, diverse Brustformen in Bikinis zu sehen und sich vorzustellen, wie die Frau im Braunen Bikini wohl unter ihm stöhnen würde wenn er mit ihr Sex haben würde. Aber eigentlich erschien ihm diese Fantasien als verloren Gedankenzeit. Und dieser ganze Urlaub. Die Nachrichten der letzten zwei Wochen vor Abreise hatten es sehr schwer gemacht für ihn diesen Urlaub wirklich zu genießen. Das Engagement für dass er die letzten Monate gearbeitet hatte war nicht gekommen und eine weitere Absage hatte die nächsten Monate ungewiss werden lassen.

Und dann war da noch Maren, die ihn fast täglich an sie erinnern suchte obwohl das eigentlich nicht notwendig war. Er dachte auch so viel zu oft an sie dafür dass sie nun mit diesem anderen Mann in dieser anderen Stadt schlief.

Vielleicht sollte er auch mit jemanden schlafen. Aber der Wunsch weitere Kolateralschäden zu verursachen, die sich aus seiner Verbindung mit Maren ergaben, war sehr sehr gering. Er war müde geworden. Er wollte niemanden mehr weh tun. Vor allem nicht sich selbst.

Jennifer zurücklassen

Eine Leere tat sich auf als er neben Jennifer zum Eingang des Festivals ging. Die letzten Stunden hatte er mit Diskussionen über Grundeinkommen, den Schrecken des Kapitalismus und sonstigem Grauen des postmodernen Lebens verbracht.

Diese Themen, diese Position hatten in ihm langsam eine Wut wachsen lassen. Nicht gegen den Kapitalismus, nicht gegen den Konsum und die Mietpreise sondern gegen Jennifer. Hatte sie doch all diese Themen in seine Richtung geworfen um dann ihre Gutmenschen-Position darzulegen. Zuerst fand er es noch irgendwie anregend, sie da, da war eine Person dies ich wirklich mit den großen Fragen der Gesellschaft beschäftigte. Doch bald wurde ihm klar dass hinter diesen Wertung, hinter dieser Ablehnung eine tiefe Verunsicherung stand, die zu einem Flucht in die Rolle des Kritikers geführt hatte.
Denn Jennifer war weder bereit politisch aktiv zu werden noch als Aktivist in Erscheinung zu treten. Sie zog ihre Energie rein aus dem kritisieren der Gesellschaft und ihres Gegenübers. So ermöglichte sie Ben nicht zu erfahren, was wirklich in ihr vor ging und wie sie sich nach der Trennung von Martin fühlte. Diese Verbitterung, welche in wunderschöne Rhetorik verpackt war, hatte ihn neben ihr immer mehr erkalten lassen.
Bereits jetzt wünschte er sich nur noch auf den morgigen Tag nach ihrer Abreise wo er den Einzug des normalen, leichten Lebens erhoffte. Doch die Stunden zogen sich noch. Schließlich erreichten sie den Eingang des Festivals. Ben drehte sich um hatte Jennifer verloren. Es war nicht das erste mal an diesen Tag.

Warten auf Rafael

Maren saß nun aufrecht im Bett. Eben hatte sie noch mit ihm telefoniert. Er saß wahrscheinlich schon im Taxi.

Sie fragte sich warum sie sich hatte überreden lassen. Er wollte nur in ihren Armen einschlafen wie er vorhin gesagt hatte aber diese Aussage erschien ihr bereits Momente nachdem sie ausgesprochen waren als unrealistisch. Natürlich wollte er mehr. Aber sie hatte gerade den Tag mit Ben verbracht und es hatte sich nach langen wieder einmal gut angefühlt.

Sie überlegte ihn anzurufen und abzusagen.

Aber ihr Wunsch nach Sicherheit, nach einem Plan B hielt sie davon ab.

Am Fenster

Ben merkt wie der Alkohol ihm langsam das Denken aus der Hand nimmt. Ganz vorsichtig. Er dreht sich zu Simone um fragt sie nach einer Zigarette, nachdem er zu ihr ans Fenster getreten war.

„Sag mal, kann es sein dass ich bald ankommen werde.“
„Wie meinst du das?“
„Na ja, dass es jetzt mit der Wanderschaft bald vorbei ist.“
„Hast Du das Gefühl?.“
„Dinge zeigen sich gerade so klar. So einfach.“
„Du meinst mit Maren?“
„Nein, generell. Es ist so wie wenn der Smog weg ist. Wie wenn man wieder über die Stadt klar sehen kann.“
„Du trinkst ja auch weniger in den letzten Monaten. Vielleicht ist es das. Dein Körper ist nicht mit sich selber beschäftigt.“
„Findest Du? Aber mit Maren sind die Dinge weiterhin sehr schwierig. Sie schläft ja immer noch mit diesen Typen aus Hamburg.“
„Mit Dir aber auch.“
„Stimmt.“
„Wie hältst Du eigentlich diese Situation aus.“
„Ich habe einfach zu ihr aufgeschlossen. Ich liebe sie auch nicht mehr, der Sex ist aber immer noch sehr gut. Das macht die Sache einfacher.“
„Es ist nie einfacher, wenn die Liebe sich rausgezogen hat.“
„Vielleicht hast Du Recht. Aber nur vielleicht.“
„Wann siehst Du sie wieder?“
„Morgen.“
„Sollen wir noch eine Flasche aufmachen?“
„Vielleicht.“